zuncächst auch erst einmal mein beileid JESRY für euren verlust.
was soll man dazu sagen ?
was mir auffiel war die folgende einbringung von Manivelle:
Eine Nachbarschaft, die sich sonst für nichts interessiert, entwickelt plötzlich ein reges Mitteilungsbedürfnis. Der sogenannte „Dorffunk“ springt an, schnell, effizient, erbarmungslos. Aus einem Tod wird ein Vorgang. Aus einem Abschied ein Rätsel. Aus Trauer ein Gerücht. Blaulicht erzeugt Bedeutung – und Bedeutung verlangt nach Erklärungen, ob sie berechtigt sind oder nicht.
ich kann das einfach nur bestätigen, und mein erlebnis war an sarkasmus kaum noch zu überbieten.
es ist zwar schon ein paar jahre her, aber nachdem was Manivelle schrieb, hat es scheinbar bis heute nicht seine gültigkeit verloren.
mein schwiegervater war 3 tage zuvor gestorben, und weil das leben nun einmal weitergeht, begab ich mich in den tabakladen nebenan, in dem man mich auch schon lange kennt, um meine besorgungen zu erledigen.
ich hatte das zweifelhafte glück, hinter einer person zu stehen, die dem ladenbesitzer, der mich natürlich auch schon lange kannte, den neuesten dorffunk aufzuschwatzen, und ich spürte zum ersten mal aus erster quelle, was echter dorffunk für die gemeinschaft parat hält.
die schwätzerin, kannte mich nicht, und so berichtete sie dem ladenbesitzer ungeschönt von ihren eindrücken zu dem vorkommnis, dass sich mitten in der nacht ein riesiges aufgebot an blaulichtfahrzeugen versammelt hatte und das man aus unserem haus eine leiche in einem rettungssack abtransportierte.
und selbstverständlich war der schwätzerin klar, dass in diesem meinem haus, es nie mit rechten dingen zuging, denn man kannte uns nicht.
der ladenbesitzer, der selbstverständlich um unsere situation und einen, seit langem schwerkranken menschen wusste, war darum bemüht, die richtige haltung eintzunehmen, weil er mich schon hinter der schwätzeriin stehen sah.
anstatt nun hinzugehen, und diese lästereien zu verurteilen, gab ich mich weiterhin anonym und konnte diese vorgetragenen, aber eingebildeten wahrheiten bisweilen letztendlich genießen, denn ich fühlte mich in allem bestätigt, was ich ohnehin schon lange in der kälte unserer stadt vermutete.
der ladenbesitzer bedankte sich am ende dafür, dass ich mich nicht zu erkennen gab, und den hausfrieden seines ladens somit gewahrt hatte.
die liebe zu meinen mitmenschen wurde dadurch insgesamt natürlich nicht gestärkt, aber ich fühlte mich ob dieser situation privilegiert das erleben zu dürfen.
ich empfinde ich es als menschlich und ehrenwert zugleich, das es dennoch menschen gibt, die den tod im kreise der familie ermöglichen, anstatt sich über das anonyme sterben in krankenhäusern und pflegeeinrichtungen vermeintlich linderung über diesen, eigentlich vollkommen natürlichen vorgang zu verschaffen.