Es gibt am Spreelauf vor unserem Haus eine gute Nutria Population, sind eigentlich größere Ratten. Die bleiben aber am Wasser...
Wir leben hier unweit am Verlauf von Niers und Nette, und auch die beiden kleinen Flüsse beherbergen eine stattliche Nutria-Population. Das sind wirklich große Tiere, und die erkennt man ganz gut an ihren strahlend orangfarbenen Zähnen. Und tatsächlich stellen die kein Problem da und die bleiben am liebsten da wo sie sich am wohlsten fühlen, nämlich an und in den Uferböschungen der fließenden Gewässer. Und wenn ich, was ich den vergangenen Jahren häufiger als heutzutage getan habe, eine entspannte Kanutour unternehme, dann gehören die für mich ins Landschaftsbild. Die erreichen ein wirklich stattliche Größe. Und eine Körperlänge ohne Schwanz gemessen von mehr als 30 cm ist durchaus nichts aussergewöhnliches, aber die sind auch tatsächlich nicht das Problem.
Woher unser Rattenproblem kommt – und warum ich langsam ratlos werde:
Es liegt mir selbstverständlich fern, unbegründete Schuldzuweisungen zu betreiben. Aber woher unser Rattenproblem zumindest teilweise kommen könnte, ist aus meiner Sicht eigentlich relativ schnell erklärt.
Irgendwann, beginnend mit der Corona-Zeit Anfang der 2020er-Jahre, fanden es offenbar immer mehr Hauseigentümer mit Garten besonders attraktiv, sich einen eigenen kleinen Hühnerstall zuzulegen.
Grundsätzlich habe ich dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Hühner zu halten kann etwas Schönes sein.
Das Problem beginnt dort, wo mit der Hühnerhaltung gleichzeitig ein dauerhaft verfügbares Nahrungsangebot für Ratten entsteht. Ausgestreutes Futter, Futterreste und schlecht gesicherte Vorräte sind nun einmal für Nagetiere ausgesprochen attraktiv.
Woher ich das weiß?
Wir hatten selbst für eine kurze Zeit Hühner.
Allerdings haben wir relativ schnell festgestellt, dass ein Hühnerstall unter den gegebenen Bedingungen offenbar auch Ratten anzieht. Deshalb haben wir die Hühner wieder abgeschafft – und tatsächlich war unser Rattenproblem danach zunächst genauso schnell verschwunden, wie es gekommen war.
Besonders ärgerlich finde ich allerdings, dass inzwischen auch Gemüsebeete und Gewächshäuser von Ratten heimgesucht werden – und zwar nicht nur dort, wo jemand Hühner hält.
Wir haben deshalb vergangene Woche schweren Herzens unser Gewächshaus dem Erdboden gleichgemacht.
Der Grund war nicht etwa, dass wir keine Lust mehr auf unser Gemüse hatten. Vielmehr machten die Ratten vor praktisch nichts Halt: Zucchini, Gurken und selbst unsere Tomatenpflanzen waren für sie offenbar interessant genug, um regelmäßig dort aufzutauchen.
Seit wir das Gewächshaus beseitigt haben, hat sich unser Rattenproblem zwar zunächst etwas verringert. Ganz verschwunden ist es aber keineswegs.
Wir sehen die Tiere nach wie vor herumlaufen und offensichtlich nach Nahrung suchen.
Und genau hier beginnt für mich das eigentliche Problem:
Wenn auf mehreren Grundstücken gleichzeitig attraktive Nahrungsquellen vorhanden sind, bringt es relativ wenig, wenn nur einer versucht, sein eigenes Grundstück möglichst rattensicher zu machen.
Das Umweltbundesamt weist selbst darauf hin, dass gerade verfügbare Nahrung – etwa Lebensmittelreste, Kompostabfälle oder Tierfutter – einen wesentlichen Einfluss auf Rattenpopulationen in menschlichen Siedlungsgebieten hat.
Wenn also beispielsweise ein Hühnerstall vorhanden ist, Futter frei zugänglich herumliegt und gleichzeitig in der näheren Umgebung weitere Nahrungsquellen vorhanden sind, darf man sich meiner Meinung nach nicht wundern, wenn sich Ratten dort dauerhaft wohlfühlen.
Erschwerend kommt bei uns hinzu, dass der Restmüll inzwischen nur noch alle zwei Wochen abgeholt wird.
Unsere Restmülltonnen quellen zwischen den Abholterminen teilweise über, und wenn die Deckel kaum noch richtig schließen, kann ich mir durchaus vorstellen, dass das für Ratten nicht gerade uninteressant ist.
Natürlich wäre eine konsequente Mülltrennung ein Teil der Lösung.
Aber seien wir ehrlich: Bei manchen Leuten endet die Mülltrennung offenbar immer noch dort, wo der Müll aus der Wohnung heraus ist.
Hauptsache, er ist weg.
Und dann wären da noch die Lebendfallen:
Bei Lebendfallen bin ich ehrlich gesagt zwiegespalten.
Denn was macht man mit einer gefangenen Ratte?
Sie irgendwo am anderen Ende der Stadt auszusetzen und zu hoffen, dass sie dort bleibt, kann doch wohl kaum eine ernsthafte Lösung sein.
Und eine Ratte einfach an irgendeinem Gewässer oder in einem anderen fremden Gebiet auszusetzen, halte ich schon aus ökologischen Gründen für keine gute Idee.
Hinzu kommt ein ganz praktisches Problem:
Wenn sich tatsächlich eine größere Population etabliert hat, müsste man vermutlich eine erhebliche Anzahl solcher Fallen aufstellen und regelmäßig kontrollieren.
Das kann doch auf Dauer kaum die Lösung sein.
Aus meiner Sicht sollte deshalb selbstverständlich die Ursachenbekämpfung an erster Stelle stehen:
Nahrungsquellen beseitigen.
Futter sicher lagern.
Müll vernünftig entsorgen.
Zugänge zu Gebäuden verschließen.
Und vielleicht auch einmal darüber nachdenken, ob man unbedingt auf jedem zweiten Grundstück einen Hühnerstall errichten muss, wenn die örtlichen Gegebenheiten ohnehin schon eine hohe Rattenpopulation begünstigen.
Aber wenn der Befall bereits vorhanden ist, wird die Sache erheblich schwieriger.
Dann reicht es eben nicht mehr unbedingt aus, die Futterquelle von heute auf morgen zu beseitigen. Die Tiere sind schließlich bereits da.
Was mich an der aktuellen Situation besonders stört:
Ich habe grundsätzlich nichts gegen Ratten.
Eine Ratte ist zunächst einmal ein Tier und hat innerhalb des Ökosystems ihren Platz.
Was ich aber nicht akzeptieren möchte, ist, dass wir Menschen in dicht besiedelten Wohngebieten unbeabsichtigt oder gedankenlos Bedingungen schaffen, unter denen sich diese Tiere nahezu ungehindert vermehren können – und anschließend erwarten, dass jemand anderes das Problem wieder beseitigt.
Und genau deshalb frage ich mich inzwischen auch, ob es nicht sinnvoll wäre, in besonders dicht besiedelten Wohngebieten zumindest genauer darüber nachzudenken, unter welchen Bedingungen private Hühnerhaltung zulässig sein sollte.
Nicht, weil ich Hühnerhaltung grundsätzlich verbieten möchte.
Sondern weil meiner Meinung nach auch die möglichen Folgen für die unmittelbare Umgebung berücksichtigt werden müssen.
Wenn jemand Tiere hält, muss er schließlich auch dafür sorgen, dass deren Haltung nicht gleichzeitig zu einem dauerhaften Nahrungsangebot für Schadnager wird.
Wiederkehr der Pest … ich hör' dich trapsen!
Das ist natürlich überspitzt formuliert.
Aber ganz von der Hand weisen lässt sich die gesundheitliche Problematik von Ratten nun einmal nicht. Ratten gelten als Gesundheitsschädlinge und können Krankheitserreger übertragen. Genau deshalb betrachtet auch das Umweltbundesamt die Reduzierung von Rattenpopulationen als Frage des Gesundheits- und Umweltschutzes.
Und dann bleibt da noch die Frage der Bekämpfung:
Was mir nach den aktuellen Einschränkungen bei Rodentiziden letztlich bleibt, ist die Schlagfalle.
Und auch hier muss ich ehrlich sagen: Ich bin inzwischen sehr zwiegespalten.
Ich habe erlebt, dass eine Schlagfalle nicht zwangsläufig so funktioniert, wie man sich das als Laie vielleicht vorstellt.
Man möchte natürlich, dass ein solcher Mechanismus das Tier unmittelbar und zuverlässig tötet.
Die Realität kann aber offenbar komplizierter sein.
Wenn ein Tier nicht unmittelbar tödlich getroffen wird, kann eine Situation entstehen, die man als Mensch eigentlich überhaupt nicht erleben möchte.
Und genau an diesem Punkt frage ich mich, ob wir über diese Seite der Rattenbekämpfung nicht viel zu wenig sprechen.
Wir diskutieren über Gift.
Wir diskutieren über Tierschutz.
Wir diskutieren über Fallen.
Aber was passiert eigentlich, wenn eine zulässige Bekämpfungsmethode in der konkreten Situation nicht so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat?
Ich habe jedenfalls für mich festgestellt, dass mich ein solches Erlebnis sehr viel stärker beschäftigt, als ich vorher gedacht hätte.
Ich möchte keine Ratte unnötig leiden sehen.
Gleichzeitig möchte ich aber auch keinen Rattenbefall auf meinem Grundstück hinnehmen.
Und genau darin liegt für mich inzwischen das eigentliche Dilemma.
Was ist also die vernünftige, tierschutzgerechte und gleichzeitig für einen normalen privaten
Grundstückseigentümer bezahlbare Lösung, wenn die Ratten bereits da sind?
Eine Antwort darauf habe ich bisher noch nicht gefunden.
Vielleicht hat jemand von Euch eine.