DIARY OF DREAMS "Greetings from Heaven"

  • Wenn alles richtig gelaufen ist, dann jamst Du mitllerweile mit:

    Richard Manuel, Rick Danko, LevonHelm , Robbie Robertson und Garth Hudson.

    Denn die sind nun alle schon da, wo auch Du bist.

    Garth hatte sich etwas mehr Zeit gelassen, weil er seiner Frau beistehen musste, aber mit 87 Jahren und einem wilden Leben wurde es auch für ihn Zeit.

    Bitte spielt "The Weight" für uns !

    wenn'se wissen was ich meine
    dujunowattaimien


  • Der Brief hat mich gerade ziemlich erwischt – besonders dieses Bild vom „Ausgraben“ der Erinnerungen. Ob es nun wirklich einen Himmel gibt, weiß ich nicht, aber als Vorstellung ist es tröstlich: Torsten mit Hut, Kaffee und einer Schaufel voller Geschichten.

    Und *The Weight* passt wirklich gut. Dieses „Take a load off, Fanny“ klingt fast wie ein Willkommen an jemanden, der lange getragen hat. Weiß jemand, ob Torsten dieses Lied besonders mochte – oder ist es eher eure persönliche Wahl für ihn?

  • Weiß jemand, ob Torsten dieses Lied besonders mochte – oder ist es eher eure persönliche Wahl für ihn?


    Es ist tatsächlich meine persönliche Wahl für ihn gewesen, und ich weiß gar nicht, ob er diesem Song selbst eine besondere Bedeutung zugemessen hat.

    Wenn ich mich allerdings festlegen müsste, welchen Song er besonders herausragend fand, dann würde meine Wahl wahrscheinlich eher auf „Forever Young“ fallen. Das ist einer der beiden Schlusssongs, die von Bob Dylan eingeleitet werden und in die dann noch einmal alle Protagonisten des Konzerts gemeinsam einsteigen.

    Ich glaube aber, dass es Torsten – der diesem Film wirklich eine ungeheure Bedeutung beimaß – weniger darum ging, welcher einzelne Song gerade gespielt wurde. Vielmehr war es wohl dieser ganz besondere Community-Geist, der sich durch das gesamte Konzert zog und von dem er sich so sehr begeistern ließ.

    Zusammenkünfte von Kunstschaffenden übten auf ihn überhaupt einen besonderen Reiz aus. Denn noch stärker als sein fantasiebehafteter Forscherdrang war seine Begeisterung für Kunst und für die Menschen, die sie erschaffen.

    Torsten war ein Mensch, der definitiv etwas hinterlassen wollte. Der Gedanke an einen frühen Tod war ihm dabei nie fremd – er war Realist genug, sich mit dieser Möglichkeit auseinanderzusetzen.

    Gleichzeitig war er ein wirklich begabter Mensch, der es geradezu verabscheute, sich auf seine körperlichen Defizite reduzieren zu lassen.

    Seine Bilder, die heute leider nicht mehr im Internet zu finden sind, waren von einer großen Liebe zum Detail geprägt. Und ich hatte immer den Eindruck, dass er ihnen noch etwas Zusätzliches mit auf den Weg geben wollte – etwas, das seine Begeisterung für die Persönlichkeiten, die er so gerne porträtierte, noch einmal unterstrich.

    Was er allerdings definitiv unterschätzt hat, war seine positive Ausstrahlung auf andere Menschen. Er hat, glaube ich, selbst nie ganz erkannt, wie sehr er Menschen zeigen konnte, dass körperliche Beeinträchtigungen eben nicht zwangsläufig den Wert eines Menschen bestimmen. Dass man trotz – oder vielleicht manchmal sogar gerade wegen – dieser Einschränkungen etwas ausstrahlen kann, das weit über die eigene Beeinträchtigung hinausgeht und andere Menschen auf eine ausgesprochen positive Weise erreicht.

    Torsten schenkte mir einst den Film „The Last Waltz“ von Martin Scorsese, in dem The Band im Jahr 1976 im Winterland Ballroom gemeinsam mit vielen, vielen Musikern ihrer Zeit ihr Abschiedskonzert gab – an jenem Ort, an dem sie 1969 erstmals als „The Band“ als Hauptact aufgetreten waren.

    Es ist nun schon mehr als 20 Jahre her, dass er mir diese DVD schenkte. Bis ich sie mir allerdings zum ersten Mal ansah, vergingen bestimmt noch einmal fünf, wenn nicht sogar mehr Jahre.

    Als ich den Film dann endlich sah, war das für mich nahezu eine Art Offenbarung. Das gesamte Konzert ist ein einziges Abenteuer und wird nicht nur von "The Band" getragen, sondern auch von dem Who’s Who der Blues- und Folkgrößen jener Zeit.

    Seither habe ich mir diesen Musikfilm bestimmt an die 50 Mal angesehen – und ich bin seiner bis heute nicht überdrüssig geworden.

    Und jetzt höre ich lieber auf, darüber zu reden.

    Denn so viele Jahre auch vergangen sind: Es schmerzt mich noch immer, dass ich mich nicht mehr auf seine Kommentare hierzu freuen kann. Auf seine Sicht der Dinge, auf seine Einwürfe, vielleicht auch auf irgendeine kleine Bemerkung von ihm, die mir wieder eine völlig andere Perspektive eröffnet hätte.

    All das bleibt heute aus.

    Nicht, weil wir nichts mehr zu sagen hätten, sondern weil er viel zu früh gestorben ist.

    Und vielleicht ist genau das auch der Grund, warum „The Weight“ für mich heute so gut zu ihm passt.

    wenn'se wissen was ich meine
    dujunowattaimien